Ein Athlet im Spiel der Spiele ist jener, der das Leben spielt — mit Intensität und erhöhtem Bewußtsein; jener, der fähig ist, Unstimmigkeiten und Harmonie gleichzeitig wahrzunehmen; der Widerspruch annehmen kann als den eigentlichen Stoff des Spiels, ohne die grundlegende Harmonie aus dem Auge zu verlieren. Ein Athlet im Spiel der Spiele spielt aus freien Stücken und mit ganzem Herzen, wenn er auch weiß, daß es nicht alles ist; er kennt die Regeln und Begrenzungen des Spiels und sieht die Schönheit in der Ordnung, die daraus entsteht. Jede Grenze will er hinausschieben und doch gelten ihm ethische Imperative und die Bedürfnisse anderer. Dieser Athlet kämpft beim Spiel um einen Preis, und dieser Preis ist das Spiel selbst, ein voll gelebtes und erforschtes Leben.

Ein Athlet im Spiel der Spiele kann Musiker oder Tischler, Haushälter oder Yogi, Marathonläufer oder Bauer sein. Niemand kann aufgrund seiner beruflichen Eigenheit ausgeschlossen werden, und die Unterschiede zwischen dem Rein-Körperlichen und dem Nicht-Körperlichen beginnen zu verblassen. Es ist nur eine Verirrung des westlichen Denkens, daß wir glauben konnten, irgendein Aspekt des Lebens sei nicht körperlich. Der Körper ist immer beteiligt, selbst wenn es sich um eine rein geistige Tätigkeit handelt. Von Einstein wissen wir, daß die Relativitätstheorie einem Gefühl in seinen Muskeln entsprang. Er war zweifellos ein großer Athlet im Spiel der Spiele, in dem wir alle verkörpert sind. Verkörperung ist in der Tat die Grundbedingung für Spiel. Die westliche Philosophie und Theologie haben versucht, den Körper vom höheren Leben, vom Leben des Geistes, zu trennen und sind dabei gescheitert. Der Körper blieb — wenn auch unausgesprochen — Teil einer jeden Formulierung. In eben dem Maße, wie er ignoriert wurde, hat sich das westliche Denken verirrt und zersplittert.

Geist im Fleisch, Fleisch im Geist. Abstraktion in den Muskeln, Visionen in den Knochen. Wir können die Bedingungen der Verkörperung nicht länger leugnen - aber wir werden sie auch nie ganz ergründen. Wie weit wir dem Geheimnis auch nachspüren, am Ende entzieht es sich immer.

Die „Antwort" liegt in der unaussprechlichen Aussage, in der unbeweisbaren Annahme, die uns vor nicht lösbarem Widerspruch und Abschließung bewahren. Es gibt keine geschlossenen Systeme. Der Körper eröffnet uns Wunder in dieser und anderen Welten. Seine Bewegungen in Zeit und Raum können uns auf eine zeitlose Reise schicken zu einem Ort jenseits der Orte.

GEORGE LEONARD








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